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Herr Pählers Medien-Woche: Trumps soziales Trotz-Netzwerk

Von Herrn Pähler

Jetzt ist es offiziell: Weil die großen sozialen Medien Twitter, Facebook und Instagram seine Accounts gesperrt hatten, gründet Trump nun sein eigenes soziales Netzwerk. »TRUTH Social« so heißt die Plattform. Im November soll eine Testversion online gehen, zunächst nur für geladene Gäste.

Anfang 2022 dann der landesweite Go-Live in den USA. Trump spart bei der Ankündigung natürlich nicht an markigen Worten: Sein Ziel sei es, der „Tyrannei“ der großen Tech-Unternehmen die Stirn zu bieten. Dazu hat er die Trump Media & Technology Group (TMTG) gegründet, die außerdem einen Videodienst für politisch nicht korrekte Unterhaltungsformate betreiben soll.

Ich frage mich da: Wird sich die Plattform tatsächlich durchsetzen und Fakes und Hass in der Welt verbreiten können? Ich glaube nur bedingt. Trump hatte es ja im Frühjahr schon mit einem eigenen Blog versucht, was kläglich gescheitert ist. Und das liegt – denke ich – vor allem auch daran, dass Populismus nur auf Plattformen extrem wachsen und krasse Reichweiteneffekte erzielen kann, auf denen theoretisch die ganze Breite der Gesellschaft erreichbar ist.

Also auch politische Gegner*innen und Andersdenkende. Denn Populismus braucht die direkte Auseinandersetzung, um zu mobilisieren. Ich denke daher, “TRUTH Social” wird eher ein riesiger virtueller Club für Trump-Fans und Verschwörungsfanatiker, die weitgehend unter sich bleiben. Was aber auch schon gefährlich genug ist, weil diese Menschen dann für freie demokratische Medien und Organisationen überhaupt nicht mehr zu erreichen sind.

Deswegen hoffe ich, dass Medien, Politik und Regulierungsbehörden das neue Trump-Netzwerk nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich sehr gut und frühzeitig Strategien überlegen, wie sie mit dem Trump-Netzwerk umgehen.

Kleiner Funfact, vor ein paar Minuten kam noch die Meldung, dass “Truth Social” schon vor dem offiziellen Start von Trollen überrannt wird, nachdem es ein kanadischer Hacker, eine mobile Beta-Version verbreitet haben soll. 

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