Bei unser Startfinanzierungs-Kampagne ist fast Halbzeit*, hinter den Kulissen arbeiten wir an drei Projekten, die wir euch hoffentlich in Kürze vorstellen können, beginnen die Planungen für unsere Webinare, schlagen uns mit einem ärgerlichen Newsletter-Versand-Bug herum und sind auf der Suche nach unserem Spotify-Podcast. Unser “Was mit Medien”-Podcast schwebt gerade Herrenlos im Spotify-Universum herum. Keine Sorge, der Podcast ist wie gewohnt erreichbar. Aber derzeit gibt es keinen “Owner”. Aus dem Account von unserem alten Radiosender ist er bereits entfernt worden, aber noch nicht zu unserem Account übertragen worden. Sprich: Wir können keinen Einstellungen vornehmen und keine Abrufzahlen einsehen. Ich bin mir sicher, dass der Spotify-Support das fixen wird – aber dass unser Podcast nun schon seit mehr als zwei Wochen nicht richtig zugeordnet ist und irgendwie im luftleeren Raum hängt, macht da schon ein paar Sorgen. Komm nach Hause, Podcast.

Sind wir arrogant? Diese Frage haben wir uns in den letzten Tagen gestellt. Als wir unsere Startfinanzierungs-Kampagne gestartet haben, machten wir uns im Vorfeld viele Gedanken, welche Kritik uns wohl erreicht. Was ganz toll ist: Gefühlte 98% der Reaktionen sind positiv. Wir bekommen jede Woche ziemlich ausführliche Feedback-Mails aus der Hörerschaft. Ein Kommentar hatte uns aber kalt erwischt. Auf einen unserer letzten Newsletter kam folgendes Feedback: “In den letzten Jahren arrogant gegenüber der Community und nun Community großschreiben, wenn man sie braucht. Ist in meinen Augen der falsche Ansatz Trotzdem viel Erfolg.”

Huch. Was war damit gemeint? Hatten wir etwas übersehen? Wir haben uns viele Erklärungen überlegt. Was war jetzt anders, als zuvor? Klar, uns fehlt ohne Radiosender die finanzielle Grundlage. Aber was war noch anders? Wir hatten an unsere eigenen Kanäle gedacht: Das Blog, die eigenen Social-Media-Kanäle und unseren Newsletter. Die Kanäle haben wir in den letzten Jahren nicht so intensiv bespielt, wie vor unserer Zeit beim Radio. Kam es bei der Hörer*innen-Community so an, dass wir uns für sie nicht interessierten, weil wir die Kanäle schlummern ließen? Dabei kamen wir da einem Wunsch des Senders nach.

Aber der Newsletter-Leser hatte einen anderen Grund im Kopf. Dieser hatte mit einer persönlichen Erfahrung zu tun. Er ist selbstständig im Bereich der politischen Kommunikation aktiv und gut in sozialen Netzwerken unterwegs. Er schrieb, dass er in seinen Anfängen vor vielen Jahren Themenvorschläge geschickt hat und seiner Erinnerung nach nie Feedback von uns erhalten hat. Daran hatten wir gar nicht gedacht. An dem Beispiel sieht man, wie wichtig Individualkommunikation ist und welchen Eindruck wir unbeabsichtigt durch das Nicht-Antworten hinterlassen haben.

In der Tat ist das ein Problem, das viele Redakteurinnen und Redakteure mit ihrer Inbox haben. Die Leserreaktion lässt uns das noch mal reflektieren. In der alltäglichen Inbox eines Journalisten geht es ganz schön wüst zu. Wenn man alle Mails mit Themenvorschlägen von Pressestellen und PR-Agenturen beantworten würde, wäre man den größten Teil seiner regulären Arbeitszeit damit beschäftigt. Es geht einfach nicht. Es ist natürlich etwas anderes, ob man E-Mails, die offensichtlich allgemein formuliert an große Verteiler verschickt werden, nur bei Rückfragen beantwortet. Aber selbst bei individuell formulierten Anfragen bleibt oft im stark verdichteten Redaktionsalltag nicht genügend Zeit.

Die Reaktion auf unseren Newsletter lässt uns zum Wochenende mit dem Gedanken zurück, dass es schon Wert haben kann, wenn man zumindest kurz bei persönlichen Mails reagiert und wie wichtig Individualkommunikation am Ende sein kann.

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