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Das Jahr 2012 ist fast geschafft. Im Fernsehen sind bereits die großen Jahresrückblicke von Markus Lanz oder Günther Jauch über den Bildschirm geflimmert. Wir von Was mit Medien haben aber etwas vermisst in diesen Sendungen: Die Medien! Deshalb haben wir uns selbst mal an die Arbeit gemacht und chronologisch die großen Themen unserer Branche im Jahre 2012 aufgelistet. Was schrieben die Medienportale im Jahr 2012?

Natürlich werden auch die Medienportale Meedia, Turi2, Kress, DWDL, WuV & Co. in den kommenden Tagen ihre Jahresrückblicke veröffentlichen. Wahrscheinlich werden sie dabei nur die eigenen Texte verlinken. Wir haben uns die Mühe gemacht, noch mal alle Mediendienste zu lesen, und die wichtigsten Themen für euch zu bündeln und die unterschiedlichen Quellen zu verlinken.

Sendehinweis: Daniel und Herr Pähler haben den Publizisten Hajo Schumacher eingeladen, am Donnerstag (20.12.2012) zwischen 18:00 Uhr und 19:30 Uhr in unserer Sendung bei DRadio Wissen Lob & Tadel rund um die wichtigsten Themen des Jahres zu verteilen.

Unser Jahr in Medien

Januar

Der erste Monat des neuen Jahres geht da weiter, wo 2011 aufgehört hat: mit der Affäre um den Noch-Präsidenten Christian Wulff. In der Bevölkerung und in den Medien ist der Aufschrei groß, insbesondere als herauskommt, dass Wulff bei Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann auf die Mailbox gesprochen hat. Die Frage ist: Muss ausgerechnet der Bundespräsident über die Pressefreiheit aufgeklärt werden? Am 4. Januar äußert Wulff sich das erste Mal zu den Vorwürfen – in einem Gemeinschaftsinterview von ARD und ZDF. Es ist wohl das meist gesehene Interview im Jahr 2012 in Deutschland. Bis zu seinem Rücktritt im Februar bleibt Wulff das bestimmende Thema in den Medien.

Neben dem Staatsoberhaupt ist die ARD-Sendung “Gottschalk live” eines der meist diskutiertesten oder belächelten Themen. Entertainer Thomas Gottschalk probiert sich in der “Todeszone” des deutschen Fernsehens, dem Vorabend. Zumindest die erste Sendung lockt noch viele Zuschauer an.

Was war sonst noch los?

Am 1. Januar feiert der Deutschlandfunk den 50. Jahrestag seines Programmstarts.

Am 10. Januar geht Wall Street Journal Deutschland online.

Am 25. Januar gehtdas Autorenportal Carta wieder online, nachdem es im Vorjahr eingestellt worden war.

 

Februar

Am 17. Februar ist es schließlich soweit: Christian Wullf tritt von seinem Amt als Bundespräsident zurück. Die Sondersendungen bannen die Zuschauer vor den Fernseher.

Anfang Februar gibt es vor allem ein Thema in der Welt der Wirtschaftsmedien: Mark Zuckerberg beantragt den Börsengang für Facebook.

Die Aktion Pro Quote setzt sich für mehr Frauen in Spitzenpositionen bei den Verlagen ein. In fünf Jahren sollen 30% dieser Führungsjobs von Frauen besetzt sein.

Erfreulich für Radiomacher: Bei den 10-bis 29-Jährigen ist die Radionutzung konstant gestiegen. Auch die Hördauer legte zu.

 

März

Das Kapitel Wulff mit dem vorerst letzten Akt: Am 8. März bekommt Christian Wulff seinen Großen Zapfenstreich.

Die Bild trennt sich von einer Institution: Am Weltfrauentag entscheiden die Männer in der Redaktion, die Seite-1-Girls abzuschaffen.

Im Digitalen sorgt das Bildernetzwerk Pinterest für Furore. Es hat zwischenzeitlich mehr Traffic als Twitter.

Am 11. März bestätigt das ZDF, dass Markus Lanz ab sofort neuer Moderator des Flagschiffs Wetten, dass..? wird. Am 6. Oktober wird die erste Show in Düsseldorf stattfinden.

Am 13. März geht der Musik-Streaming Dienst Spotify in Deutschland online.

 

April

Der Versuch, Thomas Gottschalk im Vorabend des Ersten zu etablieren, ist endgültig gescheitert. Am 18. April steht fest: Die letzte Sendung von Gottschalk Live wird am 7. Juni gesendet.

Im BR probiert sich Richard Gutjahr an der Rundshow, die vier Wochen auf einem Late Night-Sendeplatz läuft. Auch Was-mit-Medien-Macher Daniel Fiene ist als Co-Moderator an Bord. Das Experiment bekommt reichlich Echo und Feedback in der Medienlandschaft.

Die Tagesschau App sorgt weiter für Diskussionen. Da eine außergerichtliche Einigung zwischen der ARD und den Verlagen ausgeschlossen wird, muss das Gericht urteilen.

Ab dem Sommer wird das ZDF ihr Live-Fußball-Angebot mit der Champions League erweitern. Oliver Welke und Jochen Breyer stehen als Moderatoren fest, Oliver Kahn wird Experte.

 

Mai

Am 26. Mai findet der ESC in Baku, Aserbaidschan, statt, bei der die Schwedin Loreen gewinnt. Aserbaidschan ist aufgrund der Menschenrechtslage in der Kritik.

Der Henri-Nannen-Preis wird verliehen und es kommt zu einem Eklat: Die Süddeutsche Zeitung lehnt den Preis für ihre Wulff-Berichterstattung ab, da auch die Boulevardzeitung Bild ausgezeichnet wird.

Anfang Mai steht fest, dass Harald Schmidt mit seiner Harald Schmidt Show keine Zukunft mehr bei SAT.1 hat. Die Quoten seien zu schlecht. Nur einen Tag später kommt heraus, dass Schmidt zum Pay-TV-Sender Sky wechselt.

 

Juni

Die Sommerpause steht an. Am 6. Juni hat Thomas Gottschalk schließlich seine letzte Sendung im Vorabend. Bei Spiegel Online darf er noch einen Abend zusätzlich ran.

Journalistinnen gründen den Verein ProQuote Medien. Es sollen mehr Spitzenpositionen im Journalismus von Frauen besetzt werden.

Bei der Fußball-Europameisterschaft sorgt eine Fernsehausschnitt von Joachim Löw und einem Balljungen für Empörung. Die Szene, wie Löw dem Balljungen gut gelaunt den Ball wegnimmt, wurde während der Live-Übertragung des Spiel gezeigt, obwohl sie vor dem Anpfiff stattfand.

Am 23. Juni gibt es die Frei-Bild für alle. Anlässlich des 60. Geburtstags der Bild verteilt der Axel-Springer-Verlag gratis Ausgaben an alle Haushalte.

Nach zwei Jahren schreibt die dpa wieder schwarze Zahlen.

 

Juli

Nachdem es einen großen Aufschrei im Netz und in den Medien gab, und es in mehreren Ländern zur Demonstrationen gekommen ist, lehnt die EU das umstrittene Acta-Gesetz ab.

Die Süddeutsche Zeitung erscheint in neuer Optik. Das Layout der auflagenstärksten überregionalen Zeitung ist nun moderner und aufgeräumter.

Nachdem das Satire-Magazin Titanic den Papst auf dem Cover per pikanter Fotomontage abdruckt, bewirkt dieser eine einstweilige Verfügung. Die Titanic darf die Titelseite nicht mehr drucken. Über 160 Beschwerden bezüglich des Covers gehen beim Presserat ein.

 

August

Am 1. August wird bekannt gegeben, dass sich TV-Historiker Guido Knopp vom ZDF verabschiedet und in Rente geht.

Am 12. August gehen die Olympischen Sommerspiele in London zu Ende. ARD und ZDF freuen sich über gute Einschaltquoten. Das digitale Angebot ist bei den Olympischen Spielen größer als nie zuvor und wird reichlich genutzt.

Der Papst zieht die einstweilige Verfügung gegen die Titanic zurück, die Redaktion ist aber noch nicht ganz aus dem Schneider.

Am 15. August stirbt Bravos “Dr. Sommer”. Er beantwortete die Fragen vieler junger Leser zum Thema Sexualität und Liebe.

 

September

Am 5. September findet in Hamburg der “Deutsche Radiopreis 2012” statt. Was mit Medien macht dazu eine Sonderausgabe.

Betina Wulff, Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wullfs, reicht Klage gegen TV-Moderator Günther Jauch und den Konzern Google ein. Jauch habe in seinem Talk Bezug auf einen Artikel aus der “Berliner Zeitung” genommen und damit die dort enthaltenden Gerüchte verbreitet. Google sei durch die automatische Suchfunktion ebenfalls schuldig.

Am 5. September wird mitgeteilt, dass Julia Jäkel, 40, in den Vorstand des Verlags Gruner + Jahr aufrückt. Sie folgt damit Bernd Buchholz.

Am 27. September erklärt das Landgericht Köln die Tagesschau-App für illegal – allerdings nur in der Form vom 15. Juni 2011. ARD-Intendantin Monika Piel moniert das Verhalten der klagenden Verlage.

 

Oktober

Am 1. Oktober stirbt Dirk Bach. Der Comedian wurde nur 51 Jahre alt.

Die dapd macht im Herbst den Anfang mit den deprimierenden Medienmeldungen. Die Nachrichtenagentur kündigt am 2. Oktober ihre Insolvenz an. Dapd-Investor Martin Vorderwülbecke beschuldigt das ZDF, Mitschuld an der dapd-Insolvenz zu tragen. Das Zweite Deutsche Fernsehen weist diese Anschuldigungen aber zurück.

Am 6. Oktober erlebt Markus Lanz ein erfolgreiches Debüt mit “Wetten, dass..?”. Der Show in Düsseldorf gucken über 13 Millionen Menschen zu.

Das Magazin Yps wird neu aufgelegt – diesmal als Männermagazin. In ganz Deutschland ist das Heft schnell vergriffen, der Verlag lässt nachdrucken.

Am 11. Oktober scheitert die Online-Petition zum umstrittenen Thema Leistungsschutzrecht. Erforderlich wären 50.000 Stimmen gewesen, es wurden nur knapp über 21.000.

Am 12. Oktober verstirbt Sportjournalist Harry Valérien. Valérien hatte früher das Sportstudio im ZDF moderiert und galt als Urgestein des Sportjournalismus.

16. Oktober: Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, verkündet seinen Wechsel zum Guardian, der im Frühjahr 2013 stattfinden wird. Seit 2008 leitete er den Online-Auftritt der Zeit.

Am 25. Oktober tritt der bisherige Sprecher der CSU Michael Strepp zurück. Er war in die Kritik geraten, weil er das ZDF aufgefordert haben soll, keinen Bericht über den SPD-Parteitag zu zeigen. Die CSU wird von den Medienverbänden scharf kritisiert, weil es nicht der erste Eingriff in die Pressefreiheit gewesen sein soll.

 

November

Ein stürmischer Medienherbst nimmt Fahrt auf. Der Bonner General Anzeiger erklärt am 12. November, dass er sein Berliner Büro aus Spargründen schließen wird.

Am 13. November erklärt die traditionsreiche Frankfurter Rundschau die Insolvenz. Experten gehen davon aus, dass das viel zitierte Zeitungssterben nun endgültig in Deutschland angekommen ist. Die Belegschaft der FR gibt sich aber kämpferisch.

Am gleichen Tag erklärt auch der Jahreszeiten-Verlag, dass er künftig auf Gedrucktes verzichtet. Sein Titel, das Stadtmagazin Prinz, wird es ab sofort nur noch in digitaler Version geben.

Nur wenige Tage später werden Gerüchte laut, dass die Financial Times Deutschland eingestellt werden soll. Am 23. November ist es so weit. G + J verkündet das Aus für die Wirtschaftszeitung. Die letzte Ausgabe soll bereits am 7. Dezember in den Handel gehen.

Google ruft zu einem großen Kampf gegen das Leistungsschutzrecht auf. Im Vorfeld der Beratung des Bundestags zum LSR fährt der Konzern eine Kampagne unter dem Titel “Verteidige dein Netz”.

Infolge der dapd-Insolvenz wird am 28. November 98 Mitarbeitern gekündigt.

 

Dezember

Am 2. Dezember teilt die Bundesagentur für Arbeit mit, dass man derzeit die größte Entlassungswelle in der Zeitungsbranche seit 1949 erlebt. Bisher sei es nie in der jetzigen Größenordnung vorgekommen, dass Redaktionen wegfallen.

Auch das ZDF muss sparen. Nach dem aktuellen Sparkonzept müssen 400 Stellen wegfallen. Dagegen laufen die Redaktionen aber Sturm.

Am 7. Dezember erscheint das letzte Mal die Financial Times Deutschland. Die letzte Ausgabe mit dem Titel “Final Times” ist überall in Deutschland ausverkauft. Sie wird sogar extra nachgedruckt. Die Tage zuvor hatte die FTD viel Solidarität auf ihrer Homepage oder über Facebook erhalten.

Am 12. Dezember hat der Online-Auftritt der Welt eine Bezahlschranke eingeführt. 20 Artikel pro Monat darf man kostenlos lesen, danach muss bezahlt werden.