Journalismus und Instagram – passt das überhaupt? Das funk-Format “Mädelsabende” hat da Pionierarbeit geleistet. Clare Devlin ist Gesicht und Mitgründerin des Formats und hat mit folgerichtig ihre eigene Agentur gegründet. In unserem Podcast 692 fragten wir sie, wie Journalismus auf Instagram funktioniert.

Was wir mitgenommen haben:

💡 Wer das Ziel hat, mit Journalismus ein junges Publikum zu erreichen, für den führt kein Weg an Instagram vorbei, sagt Clare. Medien seien damit auch gezwungen, all-in zu gehen und Inhalte direkt und allein für die Plattform zu produzieren.

💡Instagram ist keine Plattform, auf der Medien lediglich ihre journalistische Angebote auf anderen Kanälen bewerben können. Wer darauf den Schwerpunkt legt, hat selten Erfolg. Stattdessen sind eigenständige Inhalte gefragt. Das Problem: Wer auf Instagram publiziert, verliert die Hoheit über die Inhalte. Sperrt Instagram einen Kanal, oder schafft Funktionen ab, ist alles weg.

💡 Medien werden auf Instagram stärker als auf anderen Plattformen zu Getriebenen. Reels, Livestreams, Guides – Instagram schafft ständige neue Möglichkeiten, die man mitgehen muss, um den Algorithmus zu füttern. Journalistische Formate müssen also ständig nachjustieren – was selbst für größere Teams und Formate aber eine Herausforderung ist.

💡Journalist:innen und Medienmarken müssen entscheiden, ob sie lediglich einen Visitenkartenkanal (gute Sichtbarkeit bei Google) oder Communitykanal bieten. Letzteres macht richtig Arbeit. Je mehr, desto besser – und die Qualität muss auch ständig stimmen.

💡Bei einem guten Instagram-Kanal erkennen die User:innen direkt, was der Absender von ihnen möchte und ihnen bietet. Ist dieses Fundament gelegt, kommt es auf die Ziele der Medienmarke an. Quantitative Ziele der Plattform (Likes, Follower, Reichweite) sind aber nur ein Teil des Ganzen. Instagram-Insights sollten für Medien nur Sekundärziel sein. Zu den Primärzielen kann beispielsweise der Verkauf von Digital-Abos gehören.

💡Instagram-Kanäle von Medien sollten nicht zu perfekt sein. “Ich muss nah an der Community sein”, empfiehlt Clare. Viele Medien sind extrem professionell was visuelle Gestaltung und Inhalte angeht. Hier können sich der Journalismus etwas von Influencer:innen abgucken: Ihnen folgen User:innen, weil sie nahbar sind und nicht immer perfekt. Sie werden zum Tagesbegleiter. Das schafft man nicht mit einem perfekten Auftritt, der am Ende aber nicht nahbar ist.

💡Instagram wird älter. Jüngere Nutzer:innen kommen nicht unbedingt nach, sondern nutzen andere Plattformen. Instagram wird außerdem immer stärker zu einer kommerziellen Plattform für ein kaufkräftiges Publikum. Was bedeuten diese Entwicklungen für journalistische Formate und für Communitys, die ja auch bei Facebook ordentlich gelitten haben, als die Plattform älter und kommerzieller wurde? Diese Frage wird uns bei Instagram vielleicht auch noch stärker beschäftigen.

🎧 Das erkenntnisreiche Gespräch mit Clare Devlin hört ihr in Episode 692: Den “Was mit Medien”-Podcast gibt es kostenlos bei Apple PodcastsSpotify oder im Audio-Player auf wasmitmedien.de (inklusive Link zu anderen Podcast-Apps).