Worum es geht: In dieser Woche hat das Medienunternehmen Axel Springer die Übernahme der US-Nachrichtenmarke Politico von Gründer und Herausgeber Robert Allbritton angekündigt. Außerdem will Springer die restlichen 50% des bisherigen Joint-Ventures Politico Europe erwerben. Es wird von einer Rekordsumme gesprochen.
Warum das interessant ist:
- Laut Handelsblatt liegt der Kaufpreis bei mindestens 630 Millionen Euro. Wenn der Deal wie geplant umgesetzt werden kann, wird das die bisher größte Übernahme der Springer-Geschichte. CNBC zitiert einen Insider, der den Wert der Übernahme sogar mit einer Milliarde US-Dollar angibt.
- 2019 hat Springer den Großinvestor KKR ins Haus geholt. Beobachter zeigten sich skeptisch, ob Journalismus noch eine Zukunft in dem Haus habe. Mit diesem ersten großen Deal seit dem KKR-Einstieg, kann dies auch als Signal verstanden werden.
- Springer weist darauf hin, dass die Redaktionen getrennt von anderen Axel-Springer-Marken arbeiten werden. Springer-CEO Döpfner lobt in einer Pressemitteilung Politicos “objektiven Qualitätsjournalismus” und “nicht-aktivistische Berichterstattung.”
Ein Blick auf die Strategie:
- Springer selbst kommuniziert internationale Wachstumsabsichten. Der Erwerb unterstütze die Expansion auf dem US-amerikanischen Medienmarkt.
- So manche Kommentatoren bezifferten die Übernahme als zu teuer — vor allem im Vergleich mit anderen Übernahmen im US-Medienmarkt.
- Eine interessante Interpretation lieferte Sebastian Esser (Gründer von Steady & Krautreporter) in einem Linkedin-Posting. Die Übernahme sei insgesamt nicht zu teuer, weil Politicos Umsatz durch einen höheren Anteil wiederkehrender Einnahmen (z.B.: Abos) berechenbarer als bei vergleichbaren Medien ist, und weil Politico Springer eine interessante strategische Perspektive eröffnet:
“Politico bedeutet politischen Einfluss in Washington. In der EU sichert diesen Einfluss die gefühlte Macht der Marke Bild. Das gibt Herrn Döpfner ungewöhnliche politische Möglichkeiten. Die kann er für Springers Rubrikenportale einzusetzen, die Geschäftsbereiche, die eigentlich für Umsatzwachstum sorgen und eine Übernahme durch den Finanzinvestor KKR ermöglicht haben.”
Sebastian Esser auf seinem Linkedin-Profil
Ein weiterer Impuls: In unser aktuellen Podcast-Episode hat sich Herr Pähler auch Gedanken über die journalistische Entwicklung gemacht.
“Ich habe persönlich bei Axel Springer trotzdem immer so ein bisschen FC-Bayern-München-Assoziationen, die ja auch gern teuer einkaufen, mega erfolgreich sind aber Topstars dann durchaus auch mal auf der Ersatzbank versauern lassen. Deswegen bin gespannt, wie sich Politico künftig entwickelt. “
Herr Pähler in Was mit Medien #709 (Kapitel 2)
Mehr Hintergrund: Vor allem das Handelsblatt hat in dieser Woche die Übernahme begleitet.
- Handelsblatt: Axel Springer kauft US-Mediengruppe Politico
- Handelsblatt: Interview mit Springer-CEO Mathias Döpfner „Politico ist hochprofitabel, mit einer Marge von 30 Prozent“ – Springer kauft Nachrichtenportal für Rekordsumme (Plus-Artikel)
- Handelsblatt: Robert Allbritton hat das richtige Gespür für das Geschäft mit Politik-Junkies (Plus-Artikel)
- Handelsblatt Kommentar: Der Politico-Zukauf wäre ein starkes Signal für den Journalismus bei Axel Springer (Plus-Artikel)
- Kommentar der WirtschaftsWoche: Berlin Calling! (Plus-Artikel)
- Tagesschau: Springer kauft Politico für “Rekordsumme”
- CNBC: Politico sells to German publishing giant Axel Springer in deal worth about $1 billion
- The Fix: More than just news – what’s driving the $1 billion Axel Springer bid to buy Politico
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