Die letzten Wochen im Radio waren vor allem intensiv. Das erste Mal vom Aus des eigenen Sendeplatzes im Radio erzählen, sich überlegen wie wir die Hörer*innen über den Übergang zum eigenen Podcast informieren ohne dabei negativ zu klingen, sich über viele unerwartete Reaktionen freuen, in denen Menschen uns erzählen, wie und warum sie uns hören, viele Gespräche im Team über die Zukunft von “Was mit Medien” führen und dann natürlich die Frage: Wie beendet man eigentlich eine Radiosendung? Auf letztere haben wir inzwischen eine Antwort gefunden (Sascha Lobo das letzte Wort erteilen), aber so viele Fragen sind noch unbeantwortet.

Heute beginnt die erste Woche ohne Radio. Zum Glück haben wir uns in den letzten vier Wochen mit einem kleinen Crash-Kurs gut vorbereitet. In einer Reihe haben wir mit Experten darüber geredet, wie Medien sich neu erfinden können. Von Lina Timm vom Media Lab Bayern haben wir gelernt, wie man ein Medien-Start-up gründet und wie Innovation auch in größeren Medienhäusern funktioniert. Dabei ist mir noch mal bewusst geworden, wie wichtig eine nutzerzentrierte Entwicklung ist. Im Jahr 2020 ist das immer noch kein Standard. Von Silicon-Valley-Korrespondent Marcus Schuler haben wir gelernt, wie Disruption geling und was sich die Medienlandschaft von Tech-Konzernen abgucken kann, und was vielleicht lieber nicht. Zeitungsdesigner Norbert Küpper hat uns erklärt, wie ein neues Design für eine Tageszeitung entsteht und wie man es schafft modernes mit den Traditionen einer Marke zu kombinieren, um die Konsumenten nicht vollends zu verschrecken. Sascha Lobo mahnte, redaktionelle Medien müssten sich radikal auf ihre Community fixieren. Ja, ohne Community haben Medien keine Zukunft. Wenn wir mal ehrlich sind: Medien sind zwar sehr gut darin Communities zu identifizieren, aber dann berichten sie eifrig über sie und nicht für sie.

Als eigentliche Herausforderung empfinde ich es, gleichzeitig mit vielen großen und kleinen Fragen zu jonglieren. Es gibt große Fragen: Wie soll unser Geschäftsmodell aussehen? Wie verändern wir das Format, den Sound und die visuelle Begleitung? Und es gibt unendliche kleine Fragen: Wie hosten wir den Podcast? Nutzen wir einen Drittanbieter? Gehen wir zu Podigee, wie fast jede größere Podcast-Produktion? Oder hosten wir selbst? Mit welcher Software schalten wir uns bei der Aufzeichnung zusammen? Welche Mikros nutzen wir erst einmal? Wo müssen wir jetzt noch in den nächsten Tagen unsere Account-Beschreibungen anpassen? Sind beim Newsletter nicht auch noch ganz alte Texte in der Bestätigungsmail? Ach, braucht nicht gleich die ganze neue Webseite einen frischen Anstrich und wann starten wir eigentlich unseren Instagram-Account? So viele Fragen können lähmend wirken. Doch bei uns steigern sie den Tatendrang und lassen keine Zeit, der Radiozeit hinterher zu trauern. Vielleicht ist es auch ein Luxus in der Medienlandschaft, jeden Stein beim eigenen Format umdrehen zu können.

Als nächstes auf der To-Do-Liste: Die erste eigene Episode aufnehmen. Ihr ahnt es schon: Da ergeben sich schon wieder viele neue Fragen …

Eine Übersicht aller Einträge des Umbau-Tagebuchs findet ihr hier.