Bei Dieter Nuhr sind wir uns nie so sicher, was er eigentlich ist. Comedian? Kabarettist? Er ist auf jeden Fall eins: Seit 10 Jahren dick im Geschäft. Seit September gibt es ein neues Buch von ihm – “Nuhr auf Sendung: Ein Radiotagebuch”. Am 28. Dezember sehen wir ihn im ZDF mit “Nuhr 2010 – der ZDF-Jahresrückblick”. Mitte Januar gibt es Nuhr bei RTL mit “Typisch Mann, typisch Frau”  und am 20. Januar wird er den Satire Gipfel im Ersten moderieren. Wären wir PR-Profis, müßten wir jetzt schreiben: Er ist breit aufgestellt. Wie er das macht und warum er sich dann auch noch auf soziale Netzwerke im Netz stürzt erfahrt ihr jetzt. Christian Schwarz hat Dieter Nuhr für uns getroffen und über diese Themen gesprochen. Das Interview gibt es in unserem Podcast 236 zum Nachhören, oder hier die Abschrift zum Nachlesen.

Sie übernehmen im neuen Jahr zwei neue Fernsehsendungen.

Dieter Nuhr: Ja

Sie übernehmen einmal den Satire Gipfel und “Typisch Mann, typisch Frau” – wie passen diese beiden Sendungen zusammen?

Das ist ja schon immer mein Grundprinzip gewesen. Ich mache gerne Unsinn, erzähle aber auch gerne inhaltliches. Ich gehe gerne zu privaten Sendern und zu öffentlich-rechtlichen. Ich mache gerne Dinge aus Spaß, oder weil ich denke, dass etwas dringend mal gesagt werden muss. All das verteilt sich auf diese beiden Sendungen. Ich werde mit Sicherheit auch auf dem Satire Gipfel etwas Unsinn erzählen und werde auch etwas inhaltliches bei RTL loswerden. So passt das dann wieder zusammen. Ich glaube, ich muss mich in beiden Sendungen nicht verbiegen.

Sie treten in die Fußstapfen von Günther Jauch und Mathias Richling. Sind Sie nervös?

Ich bin bei RTL vielleicht etwas nervöser, da das Moderieren nicht so mein Hauptmétier ist. Auf der Bühne, vor der Kamera mit Leuten umzugehen und ein bisschen zu sprechen, frei darüber nachzudenken, was ich gerade erzähle … ich bin das eher im Umfeld von kabarrettistischen Sendungen gewöhnt. Da entspricht das eher meiner Gewohnheit. Beim Satiregipfel mache ich ja das, was ich schon ganz oft gemacht habe. Ich moderiere Kollegen an, gebe eigene Texte zum Besten und das wird mich wahrscheinlich nicht so sonderlich überraschen.

Wie stimmen Sie sich auf die Sendungen ein?

Sagen wir mal so: Ich bereite mich vor. Das ist gar nicht so schlecht, wenn man sich vor ein paar Millionen Leute stellt. Bei Lehrern ist es schon ein brauchbare Maßnahme, wenn diese sich vorbereiten, wenn die vor 30 Leuten sprechen. Dann sollte ich das auch schon tun, wenn mehrere Millionen zu gucken. Ansonsten warte ich ab, und gucke mir das an.

Sie nutzen auch andere Medien. Sie twittern, sie haben jetzt einen Facebook-Account eröffnet – was macht diese Medien für Sie so wertvoll?

Ich habe das eigentlich als Spaß gemacht – wie immer. Ich denke da vorher nicht so viel drüber nach, sondern lasse mich da eher von meinem Gefühl treiben. Das treibt mich selten in die falsche Richtung. Als ich mit dem Kabarett anfing, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich da mal so viele Zuschauer haben werde. Beim Fernsehen war es genauso und jetzt ist es mit diesen Accounts so, dass sich da ganz viele Leute ansehen, was ich da täglich mache. Auf meinem Facebook-Account sind täglich fast 200.000 Leute! Das ist eine ganze Menge. Diese 75.000 Follower bei Twitter sind auch ziemlich weit vorne. Da habe ich wieder nicht drüber nachgedacht, aber im Nachhinein hat sich das als sehr gut erwiesen.

Ist es nicht schwierig Comedy auf so wenigen Zeichen oder auf so wenig Raum zu machen?

Ja, auf 140 Zeichen – das ist schon mal echt eine Maßnahme. Das finde ich auch echt schwierig. Das war aber auch einer der Gründe, warum ich das gemacht habe. Das wollte ich einfach mal ausprobieren, weil das eine gute Fingerübung ist. Man spielt ja auch nicht immer feste Klavierstücke, die man auch im Konzert spielen würde, sondern auch mal eine Etüde zwischendurch. So ist der Twitter-Account meine Übung, mich kurz zu halten.

Ist es nicht eine andere Art Resonanz zu erhalten? Auf der Bühne bekommen Sie Applaus – oder eben auch nicht. Wie schaut das bei Twitter und Facebook aus?

Die Resonanz nehme ich da nicht all zu ernst. Gerade bei Twitter ist da auch sehr viel, das sagt ja auch der Name, Gezwitscher unterwegs. Das ist aber eigentlich ganz lustig: Wenn ich etwas bei Facebook eingebe, und da ist nun mal der Nutzerkreis viel größer, dann dauert das zehn Sekunden, dann haben die ersten 12 schon irgendwelche Kommentare geschickt oder auf den Like-Button gedrückt. Das ist ganz schön! Man hat das Gefühl, man ist direkt da – das Gefühl der Zeitgleichheit mit den Leuten, die das lesen, ist vorhanden. Das ist sehr nett.

… Und fast so, wie auf der Bühne zu stehen.

Eigentlich schon, ja! Das hat einen interaktiven Charakter.

Nuhr auf Sendung: Ein Radiotagebuch (Affiliate-Link zu Amazon)

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