Die digitale Welt verstehen. (Flickr: e-Magic)

Töne, Texte, Bilder: Ein Internet-Leitfaden für Verleger

Die digitale Welt verstehen. (Flickr: e-Magic)Hat ein Verleger nichts Besseres zu tun, als unter der Verwendung von dutzenden Identitäten hunderte wirre Kommentare in ein Blog zu schreiben? Viele würden diesem Vorwurf keine weitere Beachtung schenken. Anders, wenn der renommierte Medienjouranlist Stefan Niggemeier in seinem Blog diesen Vorwurf erhebt. Laut Niggemeier spreche vieles dafür, dass Konstantin Neven DuMont in den letzten Monaten ein sehr aktiver, aber auch anonymer Kommentar gewesen ist. Dieser streitet den Vorwurf ab: Mitarbeiter hätten Zugang zu seinem Rechner gehabt. Viele im Netz sehen das anders. Konstantin Neven DuMont wollte sich gegenüber WDR 5 nicht äußern – er sei im Urlaub. Die kuriosen Kommentare auf der Seite Stefan Niggemeier sind längst zu Blog-Affäre geworden. Daniel Fiene schaut deswegen jetzt mit einem Augenzwinkern nach, was Verleger aus dieser Geschichte lernen können und hat einen Leitfaden für das Internet zusammengestellt.

Die Häme der Konkurrenz ist nicht zu übersehen. Die Financial Times Deutschland fragt „Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung titelt „Wer hat an meiner Tastatur geschrieben.“ Doch was lernen wir aus der Affäre? Es ist sicher nicht alles schlecht, was die Kommentarfreude von Konstantin Neven DuMont angeht.
Lektion 1 – die digitale Welt erkunden!
Konstantin Neven DuMont ist dafür bekannt, dass er im Netz sehr aktiv ist. Er hat schon unter seinem richtigen Namen im Blog von Stefan Niggemeier diskutiert, auch auf seiner Facebook-Pinnwand geht es hoch  her. Ganz nach dem Motto: Die Welt von morgen selbst erkunden. Das findet Social-Media-Berater Thomas Knüwer gut. In dessen Blog Indiskretion Ehrensache hat Konstantin Neven DuMont ebenfalls mehrfach kommentiert.
Knüwer: “Viel mehr Verantwortliche in den Medien sollten die Kommunikation aufnehmen. Ich glaube Konstantin Neven DuMont ist der einzige deutsche Großverleger der das tut.”
Lektion 2 – den richtigen Namen wählen.
Der vermeintliche Kommentator im Blog von Stefan Niggemeier hat fast 100 Identitäten benutzt. Von „Charles“ oder „Gläubiger“, „Hans Wurrst“, „Igitt“ bis hin zu „Himmlischer Friede“. Es sei aber besser den Klarnamen zu benutzen, so Knüwer.
“Der Deutsche an sich hat Probleme damit, öffentlich an jemand anderes Kritik zu üben. Da braucht er ein Pseudonym. Dann sollte man zumindest eines wählen, dass einem etwas sagt. Das kann eine Jugenderinnerung sein. Das ist einfach eine Frage des Stils.”
Lektion 3 – Auf die richtige Dosis kommt es an.
Laut Niggemeier hat der ominöse Kommentator an einem Tag bis zu 33 Kommentare abgegeben.
“Wenn die 33 Kommentare unter 15 Artikel geschrieben wurden, dann  ist das einfach Kommunikationsfreude und Kommunikationsfreude ist eine durchaus positive Eigenschaft.”
Lektion 4 – Fehler zugeben.
Als die Vorwürfe herauskamen, hat DuMont weder alles abgestritten, noch zugegeben. Auch wenn die IP-Adresse und die E-Mai-Adresse für die Vorwürfe sprechen. DuMont gab zu, dass die Kommentare von seinem Rechner kamen, aber von anderen Personen verfasst wurden, die Zugang gehabt hätten. Knüwer hält diese Reaktion für glaubwürdig, denn es gebe keinen Topmanager, der sein Passwort nicht auch seiner Sekretärin gegeben habe. Das habe organisatorische Gründe.
“Oder aber, dass die IT-Kompetenz der Entscheider so niedrig ist, dass es gar nicht anders geht. Ich kenne zum Beispiel den Fall eines Chefredakteurs einer großen Regionalzeitung. Der wird jeden Morgen von seiner Sekretärin eingeloggt. Dafür muss sie natürlich das Passwort kennen.”
Lektion 5 – Konsequent sein.
Nachdem Neven DuMont davon sprach, dass zwei Menschen Zugang zu seinem Rechner gehabt haben sollen, sind weitere Kommentare im Blog von Niggemeier unter der gleichen IP-Adresse abgegeben worden.
“Das sagt uns, dass derjenige, der diese Kommentare schreibt, ein konsequenter Mensch ist. Ist nicht auch eigentlich das, was wir uns immer von unseren Mitmenschen wünschen?”
Lektion 6 – Auf die Motivation kommt es an.
Der Kommentator warf Niggemeier vor, wie „Bild“ und „RTL2“ zu arbeiten –  „andere Menschen zu diskreditieren und skrupellose Methoden anzuwenden“ und „ ein „Menschenrechtsverachter” zu sein. Was sagt das über die Motivation des Kommentators?
“Ich glaube wir reden hier von Jemanden, der ein sehr breites Interessensspektrum hat. Der sich für viele Bereiche im Leben interessiert. Auch im Leben seiner Mitmenschen, wie Stefan Niggemeier. Ich glaube daran ist wenig Verwerfliches zu finden. Diese gewisse Meinungsstärke, die er hat, ist sicher ein Punkt, den man kritisieren kann.”
Lektion 7 – Von Konstantin Neven DuMont lernen.
Was können Verleger und andere Webbenutzer aus diesem Fall lernen?
“Wir alle sollten aus diesem Fall vor allem lernen, dass wir verdammt noch mal lernen sollten, wie ein Computer funktioniert, was eine IP-Adresse ist und was alles aufgezeichnet wird, wenn man kommentiert. Das kann doch alles nicht wahr sein.”
Müssen wir fürchten, dass die Kommentare in sämtlichen deutschen Weblogs in Wirklichkeit von unterbeschäftigten Verlegern geschrieben werden?
“Ich gehe schwer davon aus!”

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Dieser Beitrag lief am 23. Oktober 2010 im WDR 5 Medienmagazin Töne, Texte, Bilder. Hier geht es zur Sendungsseite und der Podcast ist auf dieser Webseite abzurufen. Das WDR 5 Medienmagazin Töne, Texte, Bilder ist an jedem Samstag von 15:05 – 15:35 Uhr zu hören. Links: Sender – Sendungsseite – Frequenzen – Livestream – Podcast.

Unterdessen meldet Spiegel Online, dass Konstantin Neven DuMont überlege, den Vorstand von M. DuMont Schauberg zu verlassen.

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